Haus des Friedens Wettbewerb 2. Platz

  • Ort
    Landkreis Starnberg
  • Projektzeitraum
    2017
  • Bauvorhaben
    Sakrale Architektur
  • Leistung
    Geladener Wettbewerb Architektur

Der Entwurf für das Projekt des "Haus des Friedens"  lässt sich in aller Selbstverständlichkeit  auf dem Hügel an der Montessori-Schule in Biberkor am Starnberger See nieder. In der Einladung zum Wettbewerb hieß es noch "Haus Gottes", was nach dem Einspruch der etablierten Kirchengemeinde nicht durchzuhalten war.

Aufgabe

Für alle Konfessionen und Glaubensrichtungen einen Raum der Begegnung zu schaffen.  Die Aufgabe war es, ein Haus zu entwickeln, das interreligiös für jeden Menschen einen stillen Raum für Austausch und Übung anbietet. Das Baumotiv wurde von dem Wunsch des Bauherrn geprägt, einen friedenstiftenden Platz in der Schule zu schaffen, wo die Menschen aus den verschiedenen Religionen ins Gespräch kommen. 

Kann Architektur einen Beitrag zum Frieden leisten?

Der Mensch und die Natur verbinden sich in der  Freude an den Formen und an dem Material. Die ästhetische Hülle lädt den Spaziergänger an und spricht die Menschen aus der Entfernung an. Eine  ausladende Dachgeste neigt sich großzügig in die Weite. Die Menschen werden auch durch das diffuse Bild des Innenraumgestalt angeregt, weiter zu schreiten. Ein Interesse näher zu kommen, soll  geweckt werden.

Wenn die Schwellenzonen von der hügeligen Landschaft, der näheren Umgebung des Außenraums und dem höher gelegenen Vorplatz um das schützende Hüllgebäude herum nach und nach  überschritten sind, dann stehen Sie vor dem zentralen Raumgebilde.

Die Wirkung

Mit dem Betreten des Zentralraumes werden sich die Lichtverhältnisse verändern. Ein erster Eindruck von Ruhe und Geborgenheit kann sich einstellen, eine Empfindung von Erhebung bewirken. 

An den organischen Formen, der natürlichen Oberfläche des Lehmkörpers, die weiche Farbgebung und dem Masseempfinden kann sich die Empfindsamkeit noch etwas steigern, den Menschen zu achten, zu respektieren, ihn fördern zu wollen und in seiner ganzen Kapazität wahrzunehmen.

Die untergeordneten dienenden Funktionen, wie Teeküche, Stuhllager, die Toiletten und die Technikräume sind in notwendigen funktionalen Holzkuben untergebracht.

Gehen wir davon aus, dass Gebäude unmittelbar wirksam werden auf den Menschen, dann können wir mit weisheitsvollen Formen und harmonikalen Bewegungen eine Architektur der Begegnung schaffen. Die Länge zur Breite des Gebäudes und die Firsthöhe entsprechen dem Goldenen Schnitt Verhältnis.

Bauweise

Durch diese schichtenweise Aufrichtung der Lehmwand erscheint ein fein gewebtes Ornament auf der Oberfläche. Ein großer Teil des Aushubmaterials für die Bodenplatte wird für die Lehmbauarbeit verwendet. Das einfache Sparrendach wird mit Holzschindeln schuppenförmig bedeckt.

Der Herzraum wird  mit Kupferleitungen temperiert und strahlt wie ein Wärmekörper pulsierend in die Umgebung des Umraums. Die Schale, die uns räumlich umgibt, soll so atmen, so diffundieren können wie unser Körper selbst.

Die Lichtführung ist bedeutsam, sie stellt die Verbindung zwischen Himmel und Erde her, zwischen dem Endlichen, dem Gebauten und der Unendlichkeit des Kosmos. Die zwei Oberlichter als große Lichtkanäle  sorgen in ihrer Zweiheit für einen erlebbaren Lichtverlauf in der Morgenstimmung von Osten und am Nachmittag sich langsam nach Westen neigend dar.

Das Herz

Die Form eines Herzen wird im Grundriss abgebildet.

"Das Herz pulsiert in der Mitte des Menschen, das gesamte Gedankenleben und die realen Kräfte feinstofflicher Art werden im Herzen aufgenommen, verarbeitet und wieder in die Umgebung abgegeben. Das Herz bildet die stabilisierende Grundordnung in jedem Menschen."*

Es entsteht eine verständliche in den ländlichen Raum sich einfügende Gebäudehülle mit diesem speziellen Gebäudekern im Inneren. Ein Haus im Haus.
Die Infrastruktur und Raumplanung soll im Interesse des gesamten Landkreises liegen. Eine Ökonomie mit dem Ziel die vorhandenen Ressourcen aufzuwerten. Ein Tourismus, der nicht die inszenierte Erlebnissteigerung als Ziel hat, sondern ein solcher, der wirksame Erfahrungsräume anbieten möchte.  

Die Idee ist, das man etwas aufgerichteter sein  wird, wenn man das Haus wieder verlässt und sich gern an die Eindrücke erinnern.

"Erst formt der Mensch die Architektur und dann formt die Architektur den Menschen."**

Unsere Idee von dem Haus des Friedens  führt uns in eine Gedankenwelt hinein, in  der das Sakrale die Idee einer Erinnerung und einer Vision zugleich ist. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit und dem Blick aus der Zukunft, die Gegenwart gestalten und gleichzeitig die Idee in sich trägt, das der individuelle eigene Frieden auf intime Weise mit dem Frieden in der Welt verbunden ist.

*  Heinz Grill

**  Quelle ist mir nicht bekannt, verschiedene Menschen behaupten Urheberschaft


Unsere Leistungen


Im Projekt-Team


Sonstige:
Werner Mally (Künstler), Marie von Dall’Armi (Religionslehrerin)

Weitere Projekte